ALLI OMGHAUE – E Legände trett ab!

12
05
2021

An seinem Namen ist in diesem Jahrtausend kein FCL-Fan vorbeigekommen: David Zibung. Ein Klub-Urgestein. Ein Fussball-Dinosaurier. Eine lebende Legende. Ende Saison beendet er seine Karriere. Eine Ära, die bezüglich Clubtreue seinesgleichen sucht, geht zu Ende.

Dave Zibung wird verabschiedet

18 Jahre im FCL-Dress. In 519 Pflichtspielen für Blauweiss aufgelaufen. Die Nummer eins einer ganzen FCL-Fangeneration. Dave repräsentiert den FCL der vergangenen zwei Jahrzehnte wie kein Zweiter. Einige denken sich nach diesem Satz wohl ein «ja, leider» hinzu. Diesen sei nochmals Zibungs Stinkefinger gezeigt, den er schon 2010 im Hexenkessel Gersag an seine «Hater» richtete. Teils war die Kritik an ihm berechtigt, teils nicht – vor allem aber in ihrer Art öfters deplatziert und tendenziös.

Polarisierend wie kein Zweiter

Natürlich hatte Dave auch mal Aussetzer – sportlich wie emotional. Als Torhüter ist man allerdings schnell einmal der Buhmann, wenn man einen «Haltbaren» passieren lässt. Er musste den Kopf herhalten, selbst dann, wenn seine Vordermänner patzten und nur noch Zibung als letzter Mohikaner zwischen Tor und Gegenspieler stand. Ein Sündenbock und Ventil war in der Person von David Zibung immer schnell gefunden und spaltete nicht selten die Meinungen auf den Rängen. Aber am Ende war Dave derjenige, der sich über seine Fehler am meisten aufgeregt hat.

Härz voruus – Dave Zibung

Loyal wie niemand zuvor

Egal, wie jeder einzelne Fan den Spieler Zibung beurteilen mag – ein FCL ohne David Zibung auf dem Matchblatt ist kaum vorstellbar. Keiner hat so viele Spiele für den FCL auf dem Buckel wie Dave. Mit aktuell 519 absolvierten Pflichtspielen für den FCL ist Dave der alleinige FCL-Rekordspieler – mit wohl uneinholbarem Vorsprung. Wir sind realistisch genug, um zu sagen, dass er das auf ewig bleiben wird. Alleine deswegen war und ist er ein Vorbild – nicht nur für unsere Nachwuchsspieler, sondern auch für alle, die den FCL im Herzen tragen. Man muss sich mal vorstellen: Dave stand in rund jedem sechsten Pflichtspiel, das der FCL in seiner 120-jährigen Clubgeschichte absolviert hat, auf dem Platz. Dafür gibt’s schlicht und einfach nur eine Bezeichnung: Legende!

Die (un)angefochtene Nummer eins

Dave konnte mit Weltklasse-Paraden überzeugen, aber auch mit in gegnerischem Einwurf resultierenden Abstössen unglaubwürdiges Kopfschütteln auslösen. Man wird unter den FCL-Fans keinen Konsens zu seiner sportlichen Karriere finden – und ganz ehrlich: Das darf und soll so sein. Was unserer Nummer eins allerdings niemals abgesprochen werden konnte und kann, ist seine unabdingbare Treue. Ein Wert, der – gerade im heutigen, kurzlebigen Fussballgeschäft – leider sehr rar geworden ist. Zibung war in den letzten 18 Jahren immer da. Alles, was wir mit dem FCL erlebten, erlebte auch er – sein Platz im Stadion war einfach ein anderer als der unsrige. Seit er am 29. August 2003 in der Halbzeitpause des NLB-Heimspiels gegen den FC Bulle für den verletzten «Hausi» Hilfiker eingewechselt wurde, stand Dave zwischen den FCL-Pfosten. Er avancierte zum Stammtorhüter und bald darauf zum Captain. Und ging nie mehr weg.

Durch dick und dünn

Fast zwei Jahrzehnte lang teilte Dave sein sportliches Leben mit uns. Er freute sich mit uns über drei Einzüge in die Cupfinals – und tat das letzte Woche zum vierten Mal. Er trauerte mit uns, als wir jedes Mal mit gesenktem Kopf ohne Titel heimkehren mussten. Er steht für den in unseren bis dato letzten NLB-Saison 2005/2006 kultivierten Begriff «Aufsteigerjungs» wie kein anderer. Die überschwänglichen UFFTAs aus jener Zeit bleiben wohl jedem Zeitzeugen bis ans Lebensende vor dem inneren Auge erhalten. Er wird vielen als eben dieser «Aufsteigerjunge» in Erinnerung bleiben, der den Weg des FCL zu einem festen Bestandteil der höchsten Schweizer Liga mitgegangen ist. In einem dramatischen letzten Spiel auf der alten Allmend feierte Dave mit uns den Ligaerhalt 2009 und verabschiedete sich mit uns auf unvergessliche Weise von unserer alten Heimat. Er zelebrierte mit uns die Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe und reiste mit uns quer durch Europa. Und er stand immer mal wieder nicht nur zwischen den Pfosten, sondern auch hinter dem Tresen. Ob in der Zone 5, der Stelzbock-Bar oder sonstigen Fansausen. Dave war immer da, wo wir waren.

Seine unvergesslichen Geschichten und Anekdoten haben wir zu seinem 500. Jubiläumsspiel anfangs 2019 in einem Sonderausgabe des Stelzbocks aufbereitet, den wir jedem nochmals zu lesen empfehlen können.

In den vergangenen zwei Jahren wurden seine Einsätze auf dem Platz bedeutend weniger. Sein Einsatz neben – oder von ausserhalb – des Spielfelds wurde aber nicht minder wichtig. Dave stellte sich auch nach der «Wachablösung» in den Dienst des Clubs und der Mannschaft, was bis zuletzt auch Marius Müller nicht müde zu betonen wurde – und man ihm ebenfalls hoch anrechnen darf. Auch wenn er vornehmlich nicht mehr selber im Kasten stand: Dave blieb eine sehr elementare und wichtige Teamstütze – und weiterhin omnipräsent. Auch als Ersatzspieler gingen seine Emotionen mit ihm durch, was immer wieder in Schiedsrichter-Ermahnungen und sogar gelben Karten gipfelte.

Hau sie alli om!

Ein Klassiker verstummt

Zibung war und ist einer von uns! Sinnbildlich für seine Person ist der legendäre Schlachtruf «Zibung, Zibung, Davide Zibung, Du besch so gross, Du besch so schtarch, hau sie alli om!» jedem Stadiongänger ein Begriff. Auch nach all den Jahren ist er noch immer nicht verhallt – das hat sich am vergangenen Samstag nochmals eindrücklich gezeigt. Wir haben uns zwar mittlerweile bereits ein wenig daran gewöhnen müssen, dieses Brett nur noch selten zum Besten geben zu können. Aber nun die Gewissheit zu haben, dass die unmissverständliche, brachial vorgetragene Botschaft endgültig nie wieder in den Schweizer Stadien erklingen wird – und so selbst zur Geschichte wird – stimmt uns traurig.

Dave, wann immer wir uns an diesen Teil der Vereinsgeschichte erinnern werden, ist sie unabdingbar mit deinem Namen verbunden. Du bist verewigt in unseren blauweissen Herzen. Auch wenn wir uns teilweise erhofft hätten, dass Du bei einzelnen Freistössen nicht wie ein Sack Kartoffeln ausgesehen, den Ball bei einem Abstoss mal kurz gespielt oder aber auch etwas klarer Position bei der für uns einschneidenden «Fahnenverbot»-Debatte bezogen hättest – wir sind unheimlich stolz, Dich auf Deinem Weg begleitet haben zu dürfen. Und wir danken Dir, dass Du uns auf unserem Weg begleitet hast.

Abschiedsparty

Wir würden Dich gerne in einem vollen Stadion verabschieden. Du hättest es mehr als verdient. Nun sitzen wir vor dem Fernseher und können die letzten Spiele Deiner Karriere nur aus der Ferne miterleben. Es bricht uns das Fan-Herz. Wir versprechen Dir, dass kein Auge trocken bleiben wird, wenn der Maurerlehrling und Bauernsohn aus Hergiswil mit seinem blauweissen Herz – der alles miterlebt hat, was wir miterleben durften – in seinem allerletzten Spiel die Sandoz-Trophäe in die Höhe stemmt. Für einmal sagen wir nicht «hau sie alli om», sondern: «Hol ne häi»!

Danke für alles, Dave!

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