Cup-Verrat: Versteckspiel anstatt Positionierung

11
08
2017

Der Stadionabtausch bzw. der Boykottaufruf haben in den vergangenen zwei Wochen zu kontroversen Diskussionen geführt. Nicht nur unter den Fans, sondern auch medial, beim Verband und den Clubs. Anstatt die jeweils eigene Position kritisch zu hinterfragen, wurde das „Problem“ von vielen Seiten auf die Fans abgeschoben. Für nicht wenige ist die USL nun der Buhmann, der dem „kleinen SC Kriens“ das Fussballfest versauen will. Damit können wir leben.

Wir sind uns bewusst, dass wir mit diesem unpopulären Schritt auch bei einigen FCL-Fans – ja selbst unter einem Teil der USL-Mitglieder - nur bedingt auf Verständnis stossen. Dass mit unserem Fernbleiben nicht nur die dafür - in unseren Augen klar - (mit) verantwortlichen Clubs in Leidenschaft gezogen werden, sondern auch unsere Mannschaft und viele Fans, welche sich auf das Spiel – genau wie wir – sehr gefreut haben. Dies tut uns leid. Doch die Entscheidung, nicht ans Spiel zu gehen, ist richtig.

Denn uns ist in erster Linie wichtig, dass die Diskussionen über unsinnige Regelungen, Vorgaben und Richtlinien, welche nun ins Rollen gebracht wurden, weitergehen. Dass die Vereine klar Farbe bekennen und sich vehement dafür einsetzen, dass die unverhältnismässigen Verbands-Paragrafen gestrichen, unnötige Behörden-Auflagen entschärft und Cupfeste auf dem Land zukünftig wieder in einem verhältnismässigen Rahmen durchgeführt werden können. Vergleiche einer Erstrunden-Cuppartie bei einem sogenannt "Kleinen" mit Spielen gegen Basel oder Zürich sind hierbei für die Erörterung der Sicherheitslage in unseren Augen genauso unpassend wie Vergleiche einer Fankurve mit einem hundertjährlichen Hochwasser.

Der Matchboykott trifft die Falschen - Wirklich?

Die Reaktionen der involvierten Entscheidungsträger haben nicht dazu beigetragen, dass wir zur Ansicht hätten kommen können, dass diese Stossrichtung mit Nachdruck eingeschlagen wird. Verhalten positiv zu erwähnen ist hierbei einzig der FC Luzern, welcher sich fortan darum bemühen will, beim Verband ein Umdenken zu erwirken. Ansonsten: Gegenseitige Schuldzuweisungen, fehlende Gesprächsbereitschaft, totale Intransparenz. Es scheint, als wolle man unter allen Umständen verhindern, dass publik wird, wer nun effektiv welche Entscheidungen aufgrund welcher Grundlagen getroffen hat.

Auch der SC Kriens, dessen Club-Philosophie wir ansonsten schätzen, spielt in diesem Falle eine undurchsichtige Rolle. „Der Matchboykott trifft die Falschen“ propagiert Grün-Weiss und entfaltet sich in der Opferrolle prächtig. Schon kurz nach unserer Androhung, das Spiel nicht zu besuchen, kritisiert der Sportclub Kriens, dass die USL mit dem Verein keinen Austausch gesucht habe. Nur um dann eine Woche später einen vereinbarten Gesprächstermin in letzter Minute selber platzen zu lassen. Wem wirft man hier fehlende Gesprächsbereitschaft vor? Auch die zunächst – sanfte – Kritik der Krienser an den Sicherheitsvorgaben steht quer in der Landschaft zu den Aussagen von SCK-Präsident Baumgartner im Zentralplus-Interview von dieser Woche. In diesem zeigt der SCK plötzlich „Verständnis“ für die Auflagen und Anforderungen. Für jene Überregulierungen also, welche es den Kriensern scheinbar „verunmöglichen“ im Gersag zu spielen? Sind diese „Hochrisikospiel“-Massnahmen dem SCK vielleicht nicht gar gelegen gekommen, um einen Vorwand zu haben, das Stadion abzutauschen? Ernsthafter Einsatz für den Spielort Gersag sieht anders aus. Derweil verneinen die Behörden, dass der Match überhaupt als Hochrisikospiel eingestuft wurde. Verwirrung perfekt. Für zusätzliche Unstimmigkeit sorgt SCK-Präsi Baumgartner, in dem er im Zentralplus-Interview die Schuld für den ausufernden Sicherheitswahn – und somit die surreale Auflagenflut - den Fussballfans in die Schuhe schiebt. Dies mag zum Teil stimmen, erklärt die immensen Auflagen alleine allerdings bei weitem nicht. Wir wollen hierbei keine Stimmung gegen den SCK schüren, aber auch seine - vordergründig hehre - Argumentation verstrickt sich im vorliegenden Cupverrats-Schmierentheater in Widersprüche.

Wollen wir jene, welche diesen Unsinn (mit) zu verantworten haben, mittels Ticketkauf und Konsumation in ihrem Vorgehen bekräftigen? Akzeptieren wir, dass die Gesetze des Cupwettbewerbs ausgehebelt werden – ohne dass sich ernsthaft jemand dagegen stemmt? Wollen wir den 116. Geburtstag unseres geliebten Vereins just an einem Spiel zelebrieren, welches für so vieles steht, was den modernen Fussball wiederspiegelt? Nein!

Die vergangenen zwei Wochen haben uns darin bekräftigt, dieses undurchsichtige Spiel nicht mitzuspielen – und dem Stadion stattdessen fern zu bleiben.

Wir treffen uns am Samstag um 14.00 Uhr beim Kornmarkt. Wir rufen nach wie vor alle FCL-Fans dazu auf, sich uns anzuschliessen. Auch jene FCL-Fans, welche sich mit unseren Grundwerten zwar identifizieren, den Boykott-Aufruf aber für die falsche Lösung halten, sind herzlich willkommen um gemeinsam ein starkes Zeichen gegen den Cup-Verrat bzw. ein klares Statement für die Wahrung und Beibehaltung/Wiederbelebung dieses wundervollen Cupwettbewerbs zu setzen. Denn unabhängig davon, ob man am Samstag dem Stadion fern bleibt oder das Spiel besucht: Der schleichenden Zerstörung der Cuptradition muss Einhalt geboten werden. Darin sind sich alle einig.


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