Geschlossene Stadien und offene Fragen

09
06
2020

Geschlossene Stadien ...

Am vorletzten Freitag haben die SFL-Clubs entschieden, die Meisterschaft in der NLA und der NLB doch noch zu Ende zu zwängen. In leeren, tristen Stadien. Zurecht, denn Geisterspiele haben es nicht verdient, in irgendwelcher Form aufgewertet zu werden. Entsprechend warten wir bereits heute sehnlichst auf den Tag, an dem Mannschaft und Fans die Allmend wieder gemeinsam in ein Tollhaus verwandeln können. Die Rückkehr der Fankurve bedingt, dass sich die Verhältnisse wieder vollständig normalisiert haben respektive Fussballspiele wieder im gewohnten Rahmen stattfinden können. Darauf sollten alle Beteiligten – allen voran die Clubs und die Liga – in den nächsten Wochen und Monaten entschlossen ihren Fokus legen.

... und offene Fragen

Am vergangenen Donnerstag lancierte der FCL mit einem Solidaritätsaufruf den Saisonkartenverkauf für die kommende Spielzeit. So sehr wir unserem Club in diesen schwierigen Zeiten gerne bedingungslos zur Seite stehen würden: Diesen vorsorglichen Saisonkartenverkauf unter dem Deckmantel der «Solidarität» halten wir für voreilig, solange dem FCL-Umfeld Antworten und Überlegungen zu elementaren, zukunftsrelevanten Fragen vorenthalten werden:

  • Wer Solidarität einfordert legt normalerweise erst dar, weshalb er Solidarität benötigt: Wie stark trifft die Corona-Krise den FCL? Kommen Bundeskredite für den FCL in Frage oder wird darauf verzichtet?
  • Mit der Bereitschaft zu einer raschen Lohnreduktion setzten Spieler und Mitarbeitende des FCL ein wichtiges und starkes Zeichen. Doch wie sieht es beim Aktionariat aus? Die aktuelle Informationspolitik des Vereins ist diesbezüglich etwas verwirrend. Speziell vor dem Hintergrund der Pressemitteilung vom 25. November 2019, als die Grossaktionäre vollmundig die Sicherung der Finanzierung bis September 2021 versprochen hatten.
  • Ebenfalls noch ungeklärt ist die Frage, von wem der FCL in naher Zukunft gesteuert wird: Die zankenden Grossaktionäre haben bisher lediglich unverbindlich in Aussicht gestellt, sich bis September 2020 zu einigen. Seither treiben die Gerüchte wilde Blüten – nicht zuletzt solche zu einem Verkauf an ausländische Investoren. Wer will seine Aktien verkaufen? Welche Anforderungen müssen mögliche Käufer erfüllen? Wohin fliesst der Kaufpreis?
  • Momentan ist für Aussenstehende zudem nicht abzusehen, wann und unter welchen Bedingungen die neue Saison 2020/2021 begonnen wird: Für welches Szenario setzt sich der FCL ein? Welche Auflagen werden strikte abgelehnt?

Wir sind uns bewusst, dass die entsprechenden Antworten und Entscheidungen nicht allein in den Händen der FCL-Führung liegen. Dennoch wären konkretere Szenarien und belastbare Versprechen für Käufer einer Saisonkarte von grosser Bedeutung. Doch statt sich um Klärung dieser Fragen zu bemühen, scheint der FCL in erster Linie auf die eigene finanzielle Absicherung bedacht, indem er das Risiko von Geisterspielen ab der neuen Saison einseitig den Fans zuschiebt und gleichzeitig keine Bereitschaft zeigt, eine anteilsmässige Erstattung in der aktuellen Saison zu gewähren.

Den Begriff Solidarität verstehen wir nicht als Einbahnstrasse und schon gar nicht als primär auf die finanzielle Dimension beschränkte Worthülse, sondern als Wert, der gegenseitig gelebt werden muss. Die Fans haben ein Anrecht auf eine transparente, glaubwürdige und offene Kommunikation – in der aktuellen Situation mehr denn je!

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