Der durch die United Supporters Luzern mitorganisierte Extrazug ans gestrige Auswärtsspiel des FC Luzern traf gestern Samstag um 18.13 Uhr in Zürich Altstetten ein und brachte rund 350 Fans in die Nähe des Letzigrund-Stadions. Zwei Fans nahmen beim Bahnhof Altstetten sofort Kontakt mit Beamten der Zürcher Stadtpolizei auf um auszuloten, ob ein geordneter Fussmarsch zum Stadion Letzigrund möglich sei.
Nachdem ein erster Polizeiriegel die Position zwischen Bahnhof und Hohlstrasse räumte und die übrigen Fans geordnet über den Bahnhofvorplatz zur Hohlstrasse durchmarschieren liess gingen die Fans aufgrund dieses Verhaltens davon aus, ein Fussmarsch zum Stadion Letzigrund werde von der Polizei toleriert. Als der Tross die ersten Meter nach links auf die Hohlstrasse eingebogen war, rannte ein knappes Dutzend bewaffneter Beamte auf Höhe Saumackerstrasse unvermittelt auf die Hohlstrasse. Sie riegelten diese ab und eröffneten ohne jegliche Vorwarnung den Beschuss mit Gummischrot und Tränengaspetarden in Richtung der mittlerweile stehen gebliebenen Fans. Die Tatsache, dass mit den Fans auch zivile Einheiten der Luzerner Polizei unter Beschuss ihrer Zürcher Kollegen geraten sind belegt, wie überraschend dieses Einschreiten für sämtliche Anwesende gewesen sein muss. Als die Fans unter dem Beschuss zurückwichen und die bereitstehenden Busse besteigen wollten, wurde der Gummischroteinsatz durch die Polizei nicht etwa eingestellt, sondern unvermindert fortgesetzt.
Gummischrot konsequent auf Kopfhöhe eingesetzt Die Stadtpolizei Zürich versucht ihr Versagen mit einer unerhörten Dreistigkeit zu vertuschen, indem ihre Kommunikationsabteilung den Auslöser für die Ausschreitungen wahrheitswidrig bei den Fans sucht.
Besonders inakzeptabel ist die Tatsache, dass Beamte der Stadtpolizei das Gummischrot erstens ohne jegliche wahrnehmbare vorgängige Warnung einsetzten und dieses zweitens konsequent auf Kopfhöhe der Fans abfeuerten. Mehrere Fans erlitten als Folge dieses unverhältnismässigen Vorgehens Platzwunden und Schwellungen im Gesicht sowie Hämatome im oberen Brustbereich. Es ist reiner Zufall, dass die Gummischrotprojektile niemanden direkt ins Auge getroffen und damit für schwere Verletzungen gesorgt haben.
Dass laut Mitteilung der Stadtpolizei Zürich Luzerner Fans einen VBZ-Bus demoliert haben sollten, ist nur die halbe Wahrheit. Tatsache ist, dass die Schäden am Fahrzeug grösstenteils durch die Geschosse der Beamten der Stadtpolizei Zürich entstanden sind. Aufgrund des unvermittelten gewaltsamen Übergriffs der Zürcher Beamten und des anhaltenden Beschusses verloren einzelne Fans die Fassung und demolierten später zwei weitere Fensterscheiben des VBZ-Busses. Wir verurteilen diese Sachbeschädigungen, halten die diversen durch Zürcher Polizisten zugefügten Körperverletzungen jedoch für deutlich schwerwiegender.
Weiterer Übergriff beim Stadion Die Mitteilung der Zürcher Stadtpolizei verharmlost zudem den Gummischrot-Einsatz unmittelbar vor dem Gästesektor des Letzigrundes, bei welchem - offenbar aufgrund eines Bierdosenwurfs eines einzelnen Fans in Richtung von Beamten - erneut ohne vorgängige Warnung auf sämtliche die Busse verlassenden Fans geschossen worden ist.