Mit Publikum, aber ohne Kurve!

17
09
2020

Ab dem 1. Oktober 2020 sind Fussballspiele mit mehr als 1'000 Zuschauerinnen und Zuschauern unter strengen Auflagen wieder erlaubt. Dazu gehören Sitz- und Maskenpflicht, begrenzte Auslastung der Stadien, personalisierte Sitzplätze beziehungsweise Stadionbesuche, die Aufhebung von Stehplätzen oder das Verbot von Gästefans.

Die grossen Schweizer Fanszenen haben gemeinsam beschlossen, unter diesen Voraussetzungen bis auf Weiteres nicht im Stadion in Erscheinung zu treten. Der Besuch von Fussballspielen bedeutet für uns Emotionen und Leidenschaft, lautstarken Support der Mannschaft, gemeinsame Reisen an Auswärtsspiele, sozialer Treffpunkt und vieles mehr. All dies ist unter den getroffenen Massnahmen nicht ansatzweise möglich, da sie diese Momente unterbinden. Darum bleiben wir den Stadien als organisierte Fankurven fern und kehren erst dann zurück, wenn dort wieder der Fussball anstatt das Virus den Takt vorgibt.

Die genannten Massnahmen wurden allesamt zur Bekämpfung der Corona-Pandemie getroffen. Wir werden sie entschieden bekämpfen, sollten sie von dieser Zielsetzung entkoppelt und schleichend in Repressionsinstrumente überführt werden. Sowohl Behörden als auch Politik tun gut daran, die aktuelle Situation nicht zu missbrauchen – im Rahmen des Fussballs aber auch ganz generell –, wenn sie auch künftig in ähnlichen Lagen auf eine Akzeptanz für getroffene Massnahmen zählen möchten.

In eigener Sache

Unsere eigene Sichtweise zu dieser Thematik haben wir bereits im Beitrag vom letzten Sonntag dargelegt:

Der Besuch von Auswärtsspielen bleibt bis auf Weiteres Wunschdenken und die Heimspiele sind mit etlichen Auflagen verbunden. Maskenpflicht, personalisierte Billette, fix zugewiesene Sitzplätze, Abstandsregeln und allenfalls gar ein Alkoholverbot sind Auflagen, die dem Fussball, den wir lieben und schätzen, den ganzen Zauber nehmen. Obwohl wir nachvollziehen können, dass diese Auflagen für einen sogenannten Grossanlass angesichts der aktuellen Lage ihre Berechtigung haben, lassen sich diese in keinster Weise mit unserem Verständnis von Fussball- und Stadionerlebnis vereinbaren. Sie hindern uns einschneidend daran, unsere Emotionen und Leidenschaft im und ums Stadion so auszuleben, wie wir uns das vorstellen. Das gemeinsame Bier vor dem Match, das Treffen von Freunden auf der Tribüne, das Anpeitschen der Mannschaft auf engstem Raum auf den Stehplätzen und vor allem das freie, spontane und keinen Gesetzen folgende Bejubeln eines Tores für Blauweiss, wenn sich wildfremde Leute in den Armen liegen, sind unter solchen Voraussetzungen komplett undenkbar. Die Corona-Fussballrealität droht steril und emotionslos zu werden. Deshalb können und werden wir als Kurve – wie schon zum Ende der abgelaufenen Saison – die FCL-Spiele weiterhin nicht in organisierter und vereinter Form besuchen, wie es vor Corona der Fall war. Darüber herrscht unter den USL-Mitgliedern ein breit abgestützter und ausdiskutierter Konsens.

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