SFL-Abstimmung: Nein zum «Schottenmodus»!

20
04
2020

Die Klubs der Swiss Football League (SFL) stimmen diese Woche schriftlich darüber ab, ob der Modus der NLA auf die Saison 2021/2022 gemäss dem schottischen Vorbild angepasst wird. Wir lehnen diese Schnellschuss-Modusänderung entschieden ab und fordern eine ganzheitliche, nachhaltige und in Fankreisen breit abgestützte Modusanpassung.

Die Klubs der Swiss Football League (SFL), also die jeweils zehn NLA- und NLB-Klubs, stimmen diese Woche schriftlich darüber ab, ob der Modus der NLA auf die Saison 2021/2022 gemäss dem schottischen Vorbild angepasst wird (https://www.sfl.ch/news/news/artikel/modus-abstimmung-findet-auf-schriftlichem-wege-statt/). Das würde bedeuten, dass die Anzahl Mannschaften von zehn auf zwölf aufgestockt wird. In 33 Runden spielt jede Mannschaft dreimal gegen jede andere (Round-Robin-Verfahren). Danach wird die Liga in der Mitte der Tabelle in eine Meisterrunde und in eine Abstiegsrunde mit je sechs Mannschaften geteilt. In diesen beiden Gruppen spielt jede Mannschaft noch einmal gegen jede andere, um Meister, Europacup- und Barrage-Teilnehmer sowie Absteiger zu bestimmen. Insgesamt würde die neue NLA-Meisterschaft also in 38 Runden ausgetragen.

Modusänderung? Unbedingt, aber nicht so!

Dass der Modus der Schweizer Fussballmeisterschaft überarbeitet werden muss, ist für uns klar und indiskutabel. Die nun angestrebte Modusänderung im Schnellverfahren ist aber eindeutig der falsche Weg dafür – widerspricht der «Schottenmodus» doch etlichen Punkten, die den Schweizer Spitzenfussball generell für Fans, aber auch für Vereine und Sponsoren attraktiver gestalten sollen:

  • Anzahl Spiele: Der aktuelle Spielkalender ist mit 36 Meisterschaftsrunden pro Jahr schon bis zum Maximum ausgereizt. Wetterbedingte Spielausfälle können bereits jetzt kaum mehr zu fanfreundlichen Anstosszeiten nachgeholt werden. Mit zwei zusätzlichen Spielen ist der Spielkalender hoffnungslos überfüllt und ein einzelnes Spiel verliert noch mehr an sportlicher Bedeutung. Die Teilung in Meisterrunde und Abstiegsrunde verleiht der entscheidenden Phase nur scheinbar die erhoffte, zusätzliche Spannung, denn zu diesem Zeitpunkt sind die letzten Runden bei so später Ligateilung sowie ohne Punkteteilung kaum wertvoller als solche in einem ligaweiten Round-Robin-Modus. Grundsätzlich gilt hier: Weniger ist mehr. Spielt man im Jahr nur zweimal gegen den gleichen Gegner, verleiht das jeder Partie an sich viel mehr Bedeutung, als bei der nahezu inflationären Spielflut gegen die immergleichen Namen in Cup und Meisterschaft.
  • Cup: Dass der Schweizer Cup wieder attraktiver für die ganze Fussballschweiz werden soll, ist ein Ziel aller Interessengruppen (Fans, Vereine, Verband, Sponsoren). Reformpläne wurden bereits unter deren Miteinbezug diskutiert und erarbeitet. Unter anderem sollen dabei mehr Cup-Spiele stattfinden, und das wenn immer möglich am Wochenende, um dem Wettbewerb wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Eine Aufstockung der Meisterschaft von 36 auf 38 Runden torpediert dieses Vorhaben und ist für den Schweizer Cup und die Abwechslung im Pflichtspielkalender höchst kontraproduktiv.
  • Heimrecht: Jede Mannschaft würde in der ersten Meisterschaftsphase dreimal gegen jede andere antreten. Diese ungerade Anzahl führt zu einer ungerechten Vergabe des Heimrechts. Die Liga-Teilung nach 33 Runden verschärft dieses Problem weiter: In der zweiten Phase kann das Heimrecht ebenfalls nicht gerecht aufgeteilt werden, da es keine «Rückrunde» gibt. Die intransparenten Berechnungen zu einer nur vordergründig fairen Heimrechtsbestimmung wird in Schottland seit Langem kritisiert und ist eine Utopie, die zu andauernden Diskussionen über Ungleichbehandlung führt und damit nicht zielführend ist.
  • Anzahl Mannschaften: Die Anzahl Mannschaften in der NLA zu erhöhen, ist an sich eine unausweichliche Massnahme, um die Monotonie von vier gleichen Begegnungen pro Jahr zu brechen und die Meisterschaft wieder attraktiver zu gestalten. Massgeblich mehr Abwechslung bringt diese Massnahme jedoch nicht, solange nur zwei weitere Gegner pro Jahr aufwarten.

Weniger ist mehr

Deshalb fordern wir klar und deutlich von allen SFL-Klubs, diese «Modusänderung im Express-Verfahren» abzulehnen, und eine nachhaltige und in Fankreisen breit abgestützte Modusanpassung zu erarbeiten. Was vor der Coronakrise galt, gilt jetzt umso mehr: Nein zu einer überhasteten Modusänderung und zu noch mehr Spielen! Anstatt auf die Schnelle eine unzweckmässige und panisch anmutende Lösung zu erzwingen, sollte gerade in der aktuellen Situation, die für alle Beteiligten schwierig ist und strukturelle Probleme schonungslos aufdeckt, die Chance genutzt werden, den Schweizer Profifussball generell zu überdenken und gezielte, ganzheitliche und vor allem nachhaltige Anpassungen herbeizuführen, die nicht nur die oberste Liga betreffen, sondern den gesamten organisierten Fussball in der Schweiz mit all seinen Interessengruppen.

Nein zum «Schottenmodus», ja zu einer nachhaltigen Reform des Schweizer Fussballs!

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