Stellungnahme der USL zu den Diskussionen über die Sicherheit rund um FCL-Spiele

30
11
2006

1. Die gegenwärtige Situation

Seit dem Heimspiel des FC Luzerns gegen den FC Basel vom 18. September 2006 kam es insbesondere am Bahnhof Luzern in regelmässigen Abständen zu Ausschreitungen. Grössere Zusammenstösse ereigneten sich auch nach den Spielen gegen Sion und St. Gallen, während es im selben Zeitraum im Stadion Allmend grossmehrheitlich ruhig blieb und zu keinen nennenswerten Vorfällen gekommen ist.

Diese Kurzanalyse zeigt klar: Im und in unmittelbarer Nähe des Stadions Allmend besteht kein Handlungsbedarf. Die Sicherheit an den Spielen selbst erscheint uns gewährleistet. Dies ist nicht zuletzt auch unser Verdienst. Wir, die United Supporters setzen uns sehr stark für eine positive Fankultur innerhalb des Stadions ein.

Deutlich verbessert werden kann und soll hingegen die Situation nach den Spielen. Gefordert sind diesbezüglich alle Parteien: Stadt und Kanton Luzern sowie deren Polizeicorps, die Fans sowie der Verein FC Luzern. Festzuhalten bleibt aber, dass primär die Sicherheitsdirektionen zuständig sind für Sicherheitsfragen. Denn den Fanvertretern stehen nur beschränkt Mittel zur Verfügung.

Den United Supporters Luzern (USL) sind finanziell wie personell enge Grenzen gesetzt. Unsere Kompetenzen liegen aus diesem Grund vorwiegend innerhalb des Stadions: Regelmässig präsentieren wir kreative Choreografien, die auf breiter Front Anklang finden. Aufgrund unserer Arbeit sind wir in breiten Fankreisen anerkannt und akzeptiert. Auch vom FC Luzern haben wir bereits positives Feedback für unsere Arbeiten erhalten.

2. Konkrete Massnahmenvorschläge

Obwohl wir uns in erster Linie für das Geschehen im Stadion zuständig sehen, liegt eine Lösung der zweifellos bestehenden Probleme ausserhalb des Stadions ebenfalls in unserem Interesse. Aus diesem Grund bieten wir den dafür hauptverantwortlichen Stellen (Polizei und Politik) gerne unsere Mitarbeit im zur Problemlösung notwendigen Dialog an. Bereits durch unsere Teilnahme am so genannten «Runden Tisch», dem von Sicherheitsdirektorin Yvonne Schärli initiierten Austausch vom 7. November 2006, haben wir dies unter Beweis gestellt.

In der aktuellen Situation machen wir gerne auf einige Lösungsansätze aufmerksam, die in unseren Augen effektiv und effizient zu einer Verbesserung der Gesamtsituation führen könnten.

2.1 – Bahnhofsperrung vermeiden, alternative An- und Abreisemöglichkeiten prüfen. Eine teilweise stundenlange, komplette Sperrung des Bahnhofs Luzern halten wir für unzumutbar. Dies nicht nur für die betroffenen Besucher des Fussballspiels, die ihre Heimreise antreten möchten, sondern vor allem für alle anderen Bevölkerungsgruppen (und Touristen), die den öffentlichen Verkehr nutzen. In diesem Zusammenhang plädieren wir dafür, die An- und Abreise der Gästefans nicht über diesen grössten Verkehrsknotenpunkt der Zentralschweiz abzuwickeln. Als Alternative als Ankunfts- und Abfahrtsort von Extrazügen mit Gästefans könnten wir uns Bahnhöfe wie Kriens-Mattenhof oder Emmenbrücke vorstellen. Durch ähnliche Massnahmen gelingt es in zahlreichen anderen Städten, die Beeinträchtigungen von nicht beteiligten Dritten zu minimieren. In Zürich verkehren die Extrazüge mit den Gästefans jeweils nach Altstetten, in Bern an die Station Wankdorf, in Basel direkt zum St. Jakobspark und in St. Gallen je nach Gefahrenpotenzial nach St. Fiden. Der Zugverkehr an deren Hauptbahnhöfen wird dadurch nicht beeinträchtigt.

Die Massnahme der «Auslagerung» des Problems an eine weniger zentral gelegene Haltestelle des öffentlichen Verkehrs hätte darüber hinaus den Vorteil, dass die Zahl der Trittbrettfahrer minimiert werden könnte. Unseres Erachtens hat sich der Bahnhof Luzern nach FCL-Spielen in letzter Zeit zu einem Treffpunkt für Erlebnisorientierte entwickelt, an dem sich auch an Scharmützeln mit der Polizei interessierte Jugendliche einfinden, die keinen Bezug zum FC Luzern haben und entsprechend auch die vorangehende Partie auf der Allmend nicht verfolgt haben.

Sollte eine Abfertigung der Gästefans an einem anderen Bahnhof nicht möglich sein, sehen wir als Alternative die Möglichkeit, den Gästen direkt aus dem Bus Zugang zum Bahnhof Luzern von der Zentralstrasse her zu gewähren. So müsste nur der Bereich um das Gleis 2 abgesperrt werden, und der restliche Bereich des Bahnhofs könnte normal und unbehelligt weiter betrieben werden. Dieses Modell wurde in Luzern bereits vor einigen Jahren jeweils mit den Fans des FC Basels praktiziert.

2.2 – Die sichtbare Polizeipräsenz ist zu minimieren. Äusserst umfangreiche Polizeidispositive, v.a. bei Spielen mit sehr geringem Risikopotenzial (z.B. Schaffhausen), üben auf viele FCL-Fans einen provokativen Eindruck aus. Insbesondere die präventive, gut sichtbare Präsenz des Wasserwerfers sowie die zahlreichen Einsatzkräfte, die vor allen Heimspielen im Bereich der Kassenhäuschen und des Eingangs zur Zone 2 positioniert sind, halten wir für kontraproduktiv. Gegen ein Bereithalten der Polizeikräfte im Hintergrund, um im «Fall der Fälle» rasch eingreifen zu können, ist selbstverständlich überhaupt nichts einzuwenden.
Die Stadtpolizei Luzern hat diese Deeskalationsstrategie bereits mehrfach bei politischen Grossdemonstrationen angewendet, wo sie sich bewährt hat – Ausschreitungen sind jeweils ausgeblieben.

2.3 – Keine flächendeckenden Personenkontrollen. Identitätskontrollen im Bereich des Stadioneingangs, bei denen beliebige unbescholtene Matchbesucher kontrolliert werden, erachten wir als untolerierbar. Wir sind uns bewusst, dass zwischen einer gezielten Kontrolle eines Verdächtigen und einer wenig gezielten Grosskontrolle ein schmaler Grat liegt. Dennoch machen wir darauf aufmerksam, dass auch solche Kontrollen kontraproduktiv sind, zumal diese eher zu einer Solidarisierung mit den Kontrollierten führt, was das Verhältnis zwischen Fussballanhängern und Polizeikräften unnötigermassen belastet.

2.4 – Ernsthafter Dialog mit Fanvertretern. Stetiger Dialog mit Fanvertretern, die als ernst zu nehmender Partner betrachtet werden, ist einer der Grundpfeiler der Deeskalation der aktuellen Situation. Mit der Einladung der United Supporters Luzern an den «runden Tisch» wurde diesbezüglich ein erster Schritt getan. Allerdings fühlten wir uns an diesem Anlass eher als Zielscheibe für allerlei Vorwürfe denn als ernst genommener Diskussionspartner im Zusammenhang mit Lösungsvorschlägen. Dennoch befürworten wir dieses Projekt im Grundsatz und sind auch in Zukunft gerne bereit mitzuwirken.

2.5 – Aufbau eines Fanprojektes. Die Erfahrungen in anderen Städten haben gezeigt, dass Fanprojekte ein wichtiger Bestandteil einer modernen Fanpolitik sind. Luzern ist diesbezüglich arg im Hintertreffen. Wurde von Fanvertretern und Exponenten des FC Luzern bereits vor mehreren Jahren ein solches Konzept ausgearbeitet, war das Interesse von Seiten der Politik damals nicht vorhanden. Die aktuelle Situation scheint uns nun ein guter Zeitpunkt zu sein, diese Bemühungen wieder zu forcieren.

Klar ist, dass ein solches Projekt Kosten mit sich bringt, die nicht zu unterschätzen sind. Eine ganzheitliche Betrachtung führt jedoch zum Schluss, dass dieses Geld eine lohnenswerte Investition wäre, die unter anderem dazu führen würde, dass der Steuerzahler nicht Wochenende für Wochenende für sechsstellige Beiträge für Polizeieinsätze aufkommen muss. Dass der FC Luzern diesbezüglich ebenfalls Interesse signalisiert hat, freut uns entsprechend.

Im Zusammenhang mit einem Fanprojekt ist es von grösster Wichtigkeit, dass die hierfür verantwortlichen Exponenten in der Fanszene respektiert, anerkannt und verankert sind. Aus diesem Grund ist die personelle Besetzung von derart grosser Bedeutung, dass die Mitarbeit von Fanorganisationen dabei sehr wichtig ist. Auch diesbezüglich setzen wir also auf die Macht des Dialogs mit Fanvertretern als ernst genommener Partner.

3. Auch wir FCL-Fans können helfen

Nicht nur die verantwortlichen Behörden können zu einer Beruhigung der Situation beitragen, sondern auch jeder einzelne Matchbesucher. Gefordert ist Zivilcourage: Wir rufen alle FCL-Fans dazu auf, bei einer allfälligen Beobachtung aktiv einzuschreiten und die Täter auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen.

Zudem empfehlen wir den Heimspiel-Besuchern bis auf weiteres, den Bahnhof unmittelbar nach dem Schlusspfiff zu meiden. Dies dient erstens der eigenen Sicherheit, zweitens bietet man so Mitläufern keine Chance, spontan aus der Masse heraus zu agieren.

Dass diese Empfehlung jedoch allerhöchstens kurzfristig eine Lösung darstellen kann, versteht sich von selbst. Mittelfristig soll ein Lösungsansatz angestrebt werden, bei dem alle Matchbesucher wieder unbeeinträchtigt ihren Heimweg antreten können. Hierzu verweisen wir insbesondere auf den oben erwähnten Punkt 2.1.

4. Ausblick

Die Tatsache, dass die Meisterschaft ab dem 10. Dezember für rund zwei Monate unterbrochen wird, bietet Raum für ernsthafte und ausführliche Überlegungen zur aktuellen Problematik. Wir als Dachorganisation der FCL-Fans fordern von den Entscheidungsträgern, dass diese Zeit sinnvoll genutzt wird. Im Mittelpunkt sollen konstruktive und vernünftige Gespräche zwischen allen Anspruchsgruppen (inkl. Fanvertretern) stehen, in denen Lösungsansätze, unter anderem die von unserer Seite her oben skizzierten, ernsthaft geprüft und erörtert werden.

Zurück