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René Schwarzentruber, vor einer Woche gab es Ärger in Zürich, am letzten Sonntag wurde in St. Gallen ein Bahnhof lahmgelegt. Was ist los mit den Fans des FC Luzern?
Die beiden Ereignisse lassen sich nicht vergleichen. In Zürich wurden Luzerner Fans ohne Vorwarnung mit Gummischrot und Tränengas attackiert und verletzt, was einzelne Fans zu Revancheaktionen und Sachbeschädigungen veranlasste. In St. Gallen machte die Polizei hingegen einen einwandfreien Job.
Dennoch kam es in St. Gallen erneut zu Problemen. Warum?
Die Anreise verlief bis zum Stadion problemlos. Die Eingangskontrollen in St. Gallen waren wie gewohnt zeitaufwändig, penibel und teils sogar entwürdigend. Sämtliche Frauen mussten ihre Schuhe ausziehen, manchen Fans griffen die Securitas-Mitarbeiter sogar in die Hose und zwischen die Beine. Trotz dieser Schikane blieben alle Fans besonnen.
Weshalb ist die Stimmung gekippt?
Bei drei Fans ist im Rahmen der Eingangskontrolle Feuerwerk entdeckt worden, worauf diese der Polizei übergeben worden sind. Noch vor Anpfiff des Spiels erkundigten sich andere Fans bei der Fanarbeit und Offiziellen, wann die Festgenommenen wieder auf freien Fuss gesetzt würden. Die Polizei nahm sich dieser Frage an und versprach bis Halbzeitpause Klarheit. Als dann die Meldung eintraf, zwei der festgenommenen Fans würden frühestens am Montag wieder freigelassen, regte sich unter den Fans Widerstand.
Wieso?
Die Strafe als solche wird akzeptiert. Inakzeptabel ist aber, dass die St. Galler Staatsanwaltschaft das Verfahren missbraucht. Zweck einer Strafuntersuchung wäre, die Umstände einer Straftat aufzuklären. Bei klarer Beweislage ist es nicht erforderlich, jemanden 24 oder 48 Stunden festzuhalten. Man rühmt sich in der Öffentlichkeit mit einem Schnellverfahren, trödelt dann jedoch bewusst. Die Behörden tun dies einzig deshalb, damit Familie, Umfeld und Arbeitgeber vom Strafverfahren erfahren. Diese unverhältnismässige Praxis wird nur in St. Gallen angewandt und dort in erster Linie gegen Fussballfans.
Zurück zum Geschehen: Weshalb mündete der Protest in gewalttätigen Auseinandersetzungen?
Soweit ich mitgekriegt habe, ging es den 600 Fans darum, am Bahnhof St. Gallen Winkeln auf die zwei festgenommenen Fans zu warten und gegen das Vorgehen zu protestieren. Lange Zeit geschah dies friedlich und gewaltfrei. Als nach knapp zwei Stunden Einzelne das zweite Gleis besetzten formierte sich die Polizei und setzte ein Ultimatum: Sollten die Fans sich nicht freiwillig in den Zug begeben, müsse man sie mit Gewalt dazu zwingen. Trotz dieser Aufforderung gaben die Fans ihren Sitzstreik nicht auf. Die Polizei setzte darauf Reizgas ein, um die Menge aufzulösen. Vereinzelt liessen sich nun Fans zu Gewalttätigkeiten gegenüber den Beamten hinreissen, welche ihrerseits mit dem Einsatz von Gummischrot antworteten und die Fussballfans zurück in den Zug drängten. Eins ist klar: Polizisten mit Feuerwerk und Schottersteinen zu attackieren, kann ich weder persönlich noch im Namen der United Supporters gutheissen.
Die Schlagzeilen schaden dem FCL imagemässig. Ist das den Fans egal?
Nein. Bedauerlich finde ich allerdings, wie sich die Organe des FC Luzern nun eine falsche Verantwortung anhängen lassen. In beiden Fällen fand die Konfrontation ausserhalb der Stadien statt, in beiden Fällen war der FCL als Gastclub nicht einmal Veranstalter. Er hat keinerlei Handhabe und muss sich deshalb weder rechtfertigen noch ein Versagen vorwerfen lassen. Genauso wenig steht er nun in der Pflicht, Massnahmen zu treffen. Wenn schon, dann obliegt dies Fans und Behörden.
Die Verschärfung des Hooligan-Konkordates steht bevor. Was ändert dies an der Situation?
Ich befürchte, dass St. Gallen nur ein Vorgeschmack darauf war, was mit Inkrafttreten der Konkordatsverschärfung über den Fussball hereinbrechen wird. Die neuen Massnahmen setzen noch viel mehr Fans unter Generalverdacht, Verhältnismässigkeit und Augenmass gehen komplett verloren. Das frustriert enorm viele Fans. Diese Spannungen könnten sich künftig viel öfter und intensiver entladen. Wer ein Interesse hat, dies zu verhindern, ist gut beraten, sich mit allen Mitteln gegen diese Konkordatsverschärfung zu wehren.
Was, wenn nicht die Konkordatsverschärfung, verbessert denn die Sicherheit?
Man muss die Realitäten wahren: Ganz überwiegend bleibt es rund um die FCL-Spiele friedlich, das war auch 2012 bisher nicht anders. Leider wird die Selbstregulierung immer erst dann zum Thema, wenn sie ausnahmsweise nicht funktioniert hat. Speziell bedanken möchte ich mich deshalb bei all jenen Luzerner Fans, die in heissen Situationen Ruhe bewahren und sich oft mit Erfolg mässigend einsetzen.