Mit Unverständnis und grossem Bedauern haben die United Supporters Luzern (USL) von den vom FC Luzern getroffenen Massnahmen im Zusammenhang mit dem Abbrennen von Pyromaterial Kenntnis genommen.
Die United Supporters sind überzeugt, dass die Pyroproblematik ein komplexes Thema ist, in welchem Fortschritte nur im konstruktiven Dialog aller Beteiligten zu erzielen sind. Einfache Lösungen gibt es in diesem höchst kontroversen Problemfeld nicht – populistische Schnellschüsse verfehlen das Ziel mit Sicherheit.
Die United Supporters bedauern, dass der FC Luzern den Weg des Dialogs, dem wir uns seit unserer Gründung verpflichtet fühlten, nicht mehr weiter gehen will. Ein Dialog funktioniert nur, wenn er auf Augenhöhe stattfindet, wenn man seinem Gegenüber Respekt zollt und auch unterschiedliche Meinungen ernst nimmt. Sobald jedoch ein Diskussionspartner zum Befehlsempfänger degradiert werden soll, ist der Dialog gescheitert.
In den letzten Jahren, die von einer lösungsorientierten Gesprächskultur und einer intensiven Zusammenarbeit aller Beteiligten geprägt waren, konnten zahlreiche Erfolge erzielt werden. In enger Zusammenarbeit mit der Fanarbeit Luzern wurde eine Vertrauensbasis zwischen Fans und Verein geschaffen, die nachhaltige Fortschritte möglich gemacht hat. Die Heimspiele des FC Luzern finden heute nahezu allesamt gewaltfrei statt, Vandalenakte kommen kaum mehr vor. Pyromaterialien werden in der Luzerner Fankurve ausschliesslich als Stimmungsmittel verwendet. Es gibt keine Fackelwürfe, Knallpetarden werden im Stadion nicht verwendet. Umso bedauerlicher ist es, dass der FC Luzern das bewährte Vertrauensverhältnis nun einseitig aufkündigt.
Mit den getroffenen Massnahmen zielt der FC Luzern am Kern des Problems vorbei, bestraft grossmehrheitlich die Falschen und provoziert die Radikalisierung eines Teils der Fanszene. Fahnen und Doppelhalter sind das Herz unserer Fankultur. Seit Jahrzehnten sind diese optischen Stimmungsmittel ein unverzichtbares Identifikationsmerkmal für die Anhänger des FC Luzern – und das weit über den harten Kern der Fans hinaus. Nicht zuletzt sind sie zusammen mit den aufwändigen Stadion-Choreografien, die ebenfalls verboten werden sollen, Ausdruck einer positiven und farbigen Fankultur, die auch ausserhalb der Fankurve im ganzen Stadion grossen Anklang findet. Dass der Verein aus Hilflosigkeit der Pyroproblematik gegenüber den Fans nun ausgerechnet diese positiven Ausdrucksformen wegnimmt, ist unverständlich. Und höchst bedauerlich: Denn mit den Fahnen wird sich auch die Stimmung aus dem Stadion verabschieden. Die United Supporters befürchten, dass die Stadionbesucher schon sehr bald die schmerzvolle Erfahrung machen müssen, wie trostlos ein FCL-Spiel ohne die gewohnte Atmosphäre ist.
Dass der FC Luzern mit seinen Massnahmen nicht nur mehrheitlich unschuldige Fans kollektiv in Visier nimmt, sondern sogar auch die Fanarbeit, ist für die United Supporters unbegreiflich. Denn eines ist offensichtlich: Die Massnahmen zielen auch unmittelbar auf die Existenz der Fanarbeit, auch wenn der FC Luzern diesen Umstand durch bewusst kommunizierte Unwahrheiten zu verschleiern versucht.
Die United Supporters halten in aller Deutlichkeit fest: Der FC Luzern kann Verbandsbussen nicht am Mietzinsbeitrag an das Fanlokal „Zone 5“ in Abzug bringen (wie das im FCL-Communiqué fälschlicherweise behauptet wird), weil der FC Luzern gar keinen Mietzinsbeitrag an die „Zone 5“ leistet. Der „Verein Zone 5“ kommt für die Lokalmiete alleine auf, genauso wie die Fanarbeit für die Miete ihres Büros im gleichen Gebäude. Bei der angeblichen „Mietzins-Reduktion“ handelt es sich de facto um nichts anderes als eine Kürzung der Fanarbeit-Gelder – und das in einem Ausmass, das den Fortbestand der Fanarbeit in der bisherigen Form akut gefährdet.
Die mediale Diskussion der Pyroproblematik ist in letzter Zeit endgültig zu einem ideologisch vergifteten Stellungskrieg verkommen, bei dem Differenzierungen nicht mehr gefragt sind. Verschiedene Medien empören sich und prangern an, statt objektiv zu informieren und nüchtern zu analysieren. Es werden in typischer Boulevard-Manier hetzerische Kampagnen gefahren, bei denen grundlegende Prinzipien der journalistischen Ethik keine Rolle mehr zu spielen scheinen. Die United Supporters finden es sehr enttäuschend, dass der FC Luzern in diesem emotional aufgeladenen Klima der Fanarbeit nicht den Rücken stärkt, wie es eigentlich seine Pflicht wäre. Stattdessen ist man bereit, ein erfolgreiches Projekt mit nationaler Ausstrahlung fahrlässig zu opfern, nur um bei der empörten Öffentlichkeit Gefallen zu finden.